NEROMAN 2007

Daten

Datum: 27.05.2007
Ort: Neroberg Wiesbaden
Typ: Volkstriathlon
Distanzen: 0,5 - 20 - 5
Witterung: ca. 20 Grad, regnerisch
Link: LC Olympia
 
Schwimmen:0:10:07
Radfahren:1:00:00
Laufen:0:30:49
TOTAL:1:40:57

Vorbereitung

Wie, Vorbereitung ? Was ist das ? Für so einen kleinen Triathlon ? Brauch ich nicht ! Das klappt schon.
Okay, ich fahre gerne Rennrad und habe irgendwo auch ein Mountainbike rumstehen. Da sollte die Kondition eigentlich reichen. Schwimmen kann ich auch ein wenig, und das Laufen bekommt man schon hin. Also: Anmelden und mitmachen !

Mit dieser Einstellung bin ich an das Unternehmen "mein erster Triathlon" rangegangen. Schwimmen war ich ganze 3 mal. Da ich beim Kraulstil jedesmal hoffnunglos ertrinke, habe ich mich auf mein Brustschwimmen verlassen. Im Test waren das um die 12 Minuten für 500 Meter. Das reicht schon.
Rad bin ich in diesem Jahr genug gefahren: ca. 2.000 Kilometer sollten genügen. Dazu bin ich am Samstag vor dem Wettkampf die Strecke mit anderen Teilnehmern abgefahren und habe sie als "machbar" eingestuft. Also kann ja nichts schiefgehen...

Der Tag vor dem Wettkampf

Morgen ist es endlich soweit: mein erster Triathlon. Irgendwie fühle ich mich ein wenig wie ein Ironman, auch wenn ich noch keinen Meter geschwommen, gelaufen und gerannt bin. Aber Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude
Als Radfahrer liegt mein Augenmerk natürlich auf dem Fahrrad. Da fällt mir siedendheiß ein, daß es noch restlos verdreckt im Schuppen steht. Es sollte wohl endlich etwas Pflege bekommen ? Also schiebe ich es auf den Hof und nehme es nach allen regeln der Kunst auseinander, reinige jede Ritze, öle jedes Rädchen, schmiere alle Gelenke. Nach getaner Arbeit steht es blitzblank vor mir ! Damit kann eigentlich nichts mehr schief gehen !
 
Jetzt noch alle Utensilien für den Wettkampf zurecht legen, damit am Morgen des Wettkampfes keine Hektik ausbricht. Da ich keinen Triathlonanzug besitze, muß ich improvisieren. Als Hose muß eine knuddelbunte Radlerhose ohne Polster herhalten, als Trikot entscheide ich mich für ein Radtrikot mit durchgehendem Reißverschluß, da ein "pullover-Trikot" auf der nassen Haut wohl schwer überzuziehen ist. Die Laufschuhe sind uralt, haben aber noch keine Löcher. Ansonsten noch die üblichen Radler-Klamotten zurechtlegen, ein paar Powerriegel einpacken, und das wars dann. Der Wettkampf kann kommen !!

Wettkampftag - der Morgen

*GÄHN* muß ich wirklich schon aufstehen ? Um kurz nach 6:00 Uhr holt mich mein Wecker unsaft aus süßen Träumen. Ach richtig, Wettkampf !!
 
Der Neroberg ist nur wenige Kilometer entfernt und ich kann mit dem Rad zum Tatort fahren. Also schnell anziehen, was ich mir zurechtgelegt habe (ein prüfender Blick aus dem Fenster verheißt nichts guten), eine Banane verdrückt, und los gehts !
 
Den Weg zum Neroberg lege ich gemütlich zurück. Die Körner brauche ich immerhin später noch ! Dann treffe ich auf die Radstrecke, wo bereits einige Athlethen kräftig in die Pedale treten. Hui sehen die schnell aus. Aber gut, ich komme ja auch noch !!!
Ein kurzer Plausch mit den Helfern lockert die Stimmung und schließlich radele ich gemütlich zum Startort. Langsam macht sich etwas Aufregung und Nervosität breit. Aber das ist ja nichts schlimmes...

Wettkampftag - vor dem Start

hmm... wie funktioniert das eigentlich ? Brauche ich nicht sowas wie eine Startnummer ? Und wo war der Stand, an dem man seine Unterlagen bekommt ? Ach ja, richtig, im Tempelchen hat der LC Olympia seinen Starttisch aufgebaut. Guter Platz, wie sich schnell herausstellt, da der Himmel langsam seine Schleusen öffnet...
Etwas unsicher stehe ich vor dem Tisch, nenne meinen Namen und bekomme einen Umschlag ausgehändigt. Ein paar Werbebroschüren sind drin, 2 Powerdrinks und meine Startnummer. Aber für was 2 Startnummern ? Die eine befestige ich am Rücken, und die zweite ? Die Helfer erklären mir, daß man beim Laufen die Nummer vorne tragen soll. Aber ich kann doch das Trikot nicht drehen ? Dummerweise kann ich das Trikot nur als "pullover"-Version benutzen, wenn ich den Reißverschluß vorne mit der Startnummer verdecke. Also ist wiedermal Improvisation gefragt. Ich befestige die linke Seite der Startnummer am Trikot, und schiebe auf der rechten Seite die Sicherheitsnadeln nur durch die Nummer. Dann brauche ich mich später nur mit 2 Nadel abzuquälen. Das geht schon irgendwie.
 
Dann suche ich die 1. Wechselzone Aha, die ist im Schwimmbad. Leider versperrt ein Helfer den Eingang und es werden nur Starter bis zu einer bestimmten Startnummer durchgelassen. Da ich erst in Gruppe 8 starte, habe ich noch massig Zeit. Also lasse ich das Rad am Zaun stehen (wer sollte so ein altes Rad noch klauen ?), und bewege mich Richtung 2. Wechselzone.
 
Die Athleten der ersten Gruppen sind bereits mit dem Radeln durch, und ich erkenne Alex, die grade in die 2. Wechselzone fährt. Freundliche Helfer nehmen einem Rad, Helm und Handschuhe ab und legen es gruppenweise in die Wechselzone. Toller Service ! Die Schuhe kann man bereits in einem Beutel deponieren, und so trabe ich langsam Richtung Schwimmbad zurück.
 
Mittlerweile ist einige Zeit vergangen, und ich kann bereits in die 1. Wechselzone gehen. Gestoppt werde ich durch einen Helfer, der den ordnungsgemäßen Sitz des Helmes überprüfen möchte. Die Starter vor mir werden genauestens unter die Lupe genommen. Aha, die Herren sind also kritisch. Macht ja nichts, mein Helm leistet mir schon seit 15 Jahren gute Dienste. Was soll da sein ? Also bedecke ich mein Haupt mit meinem 90er-Jahre-Helm und stelle mich auf. "Der ist zu locker" meint er. Also zurre ich den Kinnriemen etwas fester und stelle mich wieder hin. "Der wackelt ja immer noch". Was soll ich tun ? Wenn ich ihn noch fester zurre, bleibt mir die Luft weg. "Geht nicht enger" antworte ich nur. Er schaut kritisch auf meine Kopfbedeckung, rüttelt daran, zieht daran. "Ohne korrekten Helm lassen wir keinen auf die Strecke !" *schluck* ist das Unternehmen "Triathlon" schon beendet, bevor es begonnen hat ? "Ich habe aber keinen anderen Helm. Was nun ?" "Laß ihn mal so. Aber kauf Dir in nächster Zeit einen neuen". Klar - Pustekuchen, der Deckel hält noch weitere 10 Jahre !
 
In der Wechselzone sind Balken angebracht, an die man sein Rad hängen kann. Sieht nicht sehr vertrauenserweckend aus, und mein Rad ist zu hoch dafür. Dabei ist es eher eine kleine Ausführung, genau wie ich mit meinen 176. Aber okay, das geht schon. Den Rucksack deponiere ich neben meinerm Rad, lege das Trikot griffbereit, hole die Chlorbrille heraus, werfe ansonsten die Klamotten etwas achtlos auf den Rucksack und schlendere Richtung Becken. Noch 10 Minuten ! Und irgendwie wirds langsam kalt...

Wettkampftag - jetzt geht's los

Das 60-Meter-Becken ist in 2 Bahnen unterteilt, vorne und hinten sind Bojen angebracht und ich sehe, wie die meisten Schwimmer auf der seichten Seite um die Bojen herumgehen. Das geht wohl nicht anders, weil das Wasser dort grade mal hüfttief ist. Schließlich findet sich die etwa 30-Mann (und Frau) starke Gruppe bei der Einweiserin zusammen. Ein prüfender Blick über die anderen Starter zeigt mir, daß ich nicht der einzige untrainierte bin. Nur wenige tragen Triathlonanzüge, was mich ein wenig beruhigt. Die Gruppe wird anschließend in eine langsame und eine Schnellschwimmergruppe eingeteilt. Ich bleibe bei den langsamen. Schneller werde ich schon von ganz allein...
 
Eine Minute vor dem Start springen alle ins Wasser, schwimmen ein paar Meter, und drängen sich schließlich am Beckenrand zusammen. Langsam zählt die Einweiserin die letzten Sekunden runter. Was mache ich ? Soll ich mich ins Getümmel stürzen und riskieren, etliche Tritte abzubekommen, in der Gischt zu ersaufen oder durch umfangreiche Leiber auf den Beckenboden gedrückt zu werden ? Ich entschließe mich, die anderen erstmal ziehen zu lassen, und mich dann an die zu hängen, die mein Tempo schwimmen. Schon nach 20 Metern habe ich die ersten überholt. An der ersten Boje habe ich mich bereits auf Platz 7 vorgeschwommen. Auf der nächsten Bahn kassiere ich weitere 3 Schwimmer. Nach der Boje bin ich auf Platz 4 und hänge mich erstmal an den vor mir schwimmenden dran. Schnell geht aber auch ihm die Luft aus, und ich ziehe mehr oder weniger gekonnt an ihm vorbei. Platz 3 ! Auf der 7. Bahn überhole ich auch den nächsten und sehe, daß der führende ca. 20 Meter Vorsprung hat. "Kriegst Du den noch ?" frage ich mich und schwimme jetzt etwas zügiger. Die Muskeln sind warm, die Nervosität abgelegt und so schimmt es sich eigentlich ganz gut. Auf der 8. Bahn scheint der führende einzubrechen, und ich überhole ihn kurz vor der vorletzten Boje. Als erster habe ich Platz, schwimme aber dann an den letzten heran. Ihn überrunde ich auf der letzten Bahn, schlage an den Beckenrand und hetze Richtung Leiter. ich habe ca. 30 Meter Vorsprung auf den zweitplazierten. Aber - von den Schnellschwimmern ist keiner mehr zu sehen. Die haben also Vorsprung !
 
Ich hetzte den kleinen Anstieg zu meinem Rad hinauf. Oh man, kann Laufen schwer sein ! Die Beine fühlen sich bleiern an, und durch die fehlende Sonne kühle ich auch schnell ab. Ergo lasse ich mir in der Wechselzone etwas Zeit, trockne mich richtig ab, verstaue die Chlorbrille ordentlich, ziehe mir mein Trikot und die Radschuhe an, fummle die Startnummer vorne dran und hetzte dann mit meinem Rad aus dem Schwimmbad.
 
Am Rad ist mein Pulsmesser befestigt. Aber was zeigt der denn an ? Puls 170 ?? Mist ! Das bedeutet erstmal langsam fahren und warten, bis der Puls wieder unter 160 ist. Sonst bin ich spätestens nach 3 Kilometern platt ! Daß ich auf dem Rad trödle merke ich, als etliche Mitstreiter schnaufend an mir vorbeifahren. Als wir endlich auf der Straße sind und ich mich auf der ebenen Strecke etwas erholen kann, sinkt auch der Puls. Na also, jetzt kann ich durchstarten ! Ich werfe den größten Gang rein, biege ab in den Wald und gebe Gummi ! Einen nach dem anderen kassiere ich wieder ein. Und es läuft weiterhin gut: Puls zwischen 155 und 165, das ist okay. Aber - wo ist meine Mitstreiterin Wiebke ? Ich MUß doch schneller sein ? Also lege ich in der zweiten Runde nochmal eine Schippe drauf, fahre die Anstiege teilweise stehend in großen Gängen. Ich bin schon 200 Meter vor dem Ziel, als ihr rotes Trikot endlich vor mir auftaucht. Als ich in die Wechselzone komme, ist sie noch 5 Meter vor mir. Leider komme ich schlecht in meine Laufschuhe und ich sehe Wiebke schon Richtung Laufstrecke enteilen. Als ich endlich an die Zeitmessung komme, hat sie bereits 200 Meter Vorsprung. Und der wächst rapide !
 
Die Beine sind wie Blei, die Lungen sind ausgepumpt und schreien nach Ruhe und die Moral sinkt. Zum Glück säumen viele Zuschauer die Strecke und pushen mich nach vorne. Trotzdem muß ich auf der Laufstrecke einige male aussetzen, kann mich nur gehend vorwärts bewegen. Ein Blick nach hinten zeigt mir, daß es anderen ähnlich ergeht. Auch ihre Kräfte scheinen erschöpft. Dumm zudem, daß die Laufstrecke auf dem ersten Kilometer ständig ansteigt. Ich versuche nur noch, einigermaßen im Laufen zu bleiben, mache fast tippelnde Schritte. Die Oberschenkel spüre ich kaum noch, die Waden kündigen ihr baldiges Arbeitsende an. "Komm Junge, nur noch 2 Kilometer ! Du schaffst das !" In Gedanken feuere ich mich an, versuche mich an einen Läufer zu hängen, der nur wenig schneller als ich rennt. Selbst das klappt nicht mehr... Aber irgendwann, gefühlte Stunden später, taucht das Ziel vor mir auf. Unbekannte Menschen klatschen mir zu, feuern mich an, tragen mich Richtung Ziel. Zudem höre ich plötzlich eine bekannte Stimme: "Auf Stefan, gib alles !". Mit schon leicht getrübtem Blick erkenne ich Stanlee aus dem Rennrad-Forum. Das spornt mich nochmal für die letzten 50 Meter an, und ich falle schließlich erschöpft, aber zufrieden über die Ziellinie. Das Hupen der Zeitnahme hat fast etwas erlösendes...

Fazit

Um es mit profanen Worten auszudrücken: es war einfach nur geil ! Auch wenn es mittendrin immer mal Momente gab, als der Körper nach Ruhe schrie, hat es rundherum Spaß gemacht und mich für weitere Schandtaten motiviert. Nur ein wenig mehr Training sollte ich vorher haben...
Zudem fand ich das ganze supergut organisiert. Alle Helfer, ohne Ausnahme, waren freundlich, zuvorkommend, und haben die Teilnehmer während des Wettkampfes angefeuert. So macht Sport Spaß ! Da werden sicherlich noch einige Triathlon folgen...

 

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