RÜSSELCROSS 2008

Daten

Datum: 08.11.2008
Ort: Rüsselsheim, Helene-Lange-Schule
Typ: Volksduathlon
Distanzen: 5,0 - 20 - 2,5
Witterung: ca. 13 Grad, sonnig, trocken
Link: Rüsselcross
 
1. Laufen (5,0 KM):00:29:07
Radfahren (20 KM) :00:52:18
2. Laufen (2,5 KM):00:16:38
TOTAL:1:38:03

Vorbereitung

Naja, alles ist relativ. Eine Vorbereitung gab es, klar. Aber sie war eher allgemeiner Natur. Radgefahren bin ich ja das ganze Jahr über, und gelaufen seither auch einige male. Das sollte, nein, das musste genügen.

Der Tag vor dem Wettkampf

Keep cool, Alter. Mittlerweile bin ich ja, nach 2 bestandenen Triathlon, fast ein alter Hase. Okay, zweimal Laufen ist nicht mein Ding, und ich würde tausendmal lieber zweimal schwimmen. Aber sei's drum, das wird schon klappen. An den Wettkampf verschwende ich nur einen Gedanken: mein Rad ! Das stand seit April, seit dem Neroman, ungepflegt im Schuppen. Und war da nicht was mit der hinteren Nabe ? Oh ja ! Beim Neroman schlackerte das hintere Rad wie wild herum, und dadurch löste sich der Schnellspanner. Das darf dieses mal nicht passieren ! Die Ursache ist schnell gefunden: die Verschraubung der Nabe hat sich gelöst. Da ich mit Werkzeugen nicht richtig dran komme, drehe ich die Schraube nur mit der Hand fest. Hmm... ob das reicht ?!?! Ach was ! Das MUSS reichen ! Außerdem sind es ja nur 20 KM, was soll da schon passieren ?! Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und um es vorwegzunehmen: die Nabe hielt !

Wettkampftag - der Morgen

Mit Wiebke hatte ich ausgemacht, daß ich sie an dem Tag abhole und wir zusammen zum Duathlon fahren. Leider geht es ihr nicht gut, und es bleibt bei einem kurzen Besuch und einem letzten Versuch, sie doch noch zum Start zu bewegen. Aber okay, ich muss einsehen, ihr geht es wirklich nicht gut. So düse ich alleine zum Start.
Dort angekommen bin ich kaum ausgestiegen, als mich schon die ersten netten Grüsse empfangen. "Willst Du Dich auch versuchen ?!" So oder ähnlich klingt es aus dem Mund eines alten Fußballkumpels. Ahja, die leidige Konkurrenz vom LC Olympia. Wart's ab, ich werde euch alle in den Boden stampfen ! Nunja, zumindest war der Ehrgeiz kurzzeitig vorhanden, aber...

Wettkampftag - vor dem Start

Als zweiter Teilnehmer des Teams "Die Maximalpulsvermeider" sollte Peter am Start sein. Ich bin aber etwas früher da, und ein erster Rundumblick lässt ihn nicht erkennen. Also schaue ich mir die Wechselzone an, schlendere zur Startnummernausgabe, reihe mich in die Schlange zur Radkontrolle ein, klebe die Startnummern an alle möglichen und unmöglichen Stellen, verstaue das Rad an seinen angestammten Platz, und mache mich wieder auf die Suche. Zurück bei der Startnummernausgabe geselle ich mich wieder zur "Konkurrenz" vom LC Olympia. Als ich dort nett am Plaudern bin (man muss den Gegner ja in Sicherheit wiegen: "für mich ist das heute nur ein lockeres Training und ein Jahresabschluss". Was heißt hier "locker" und "Trainingseinheit" ? Quatsch, ich will hier eine Superzeit hinlegen ! Top 100 muss drin sein !) sehe ich Peter. Na Bitte, 2 Maximalpulsvermeider werden den Wald zu Rüsselsheim unsicher machen.

Wettkampftag - jetzt geht's los

Vor dem Start folgt die Pflicht, d.h. die Wettkampfeinweisung. Sie ist kurz und knackig. Vor allem der Hinweis, daß man die Strecke nicht verlassen soll, da man a) die Strecke nicht für sich alleine hätte und b) derzeit Jagdsaison herrscht führt zu allgemeinem Schmunzeln. Dann werden wir auf die Strecke entlassen und alle finden sich unter dem Startbanner ein. Peter steht schon bereit. Wir tauschen noch ein paar aufmunternde Worte aus, und dann folgt schon der Countdown. Bei "NULL !" raune ich ihm noch ein "wir sehen uns dann am Ziel" zu, und schon setzen sich 247 Beinpaare in Bewegung. Hmm... warum laufen die alle so schnell ?!?! Schon jetzt merke ich, daß Laufen nicht meine Spezialität ist. Läufer um Läufer zieht an mir vorbei. Dann, nach fast 300 Metern, habe ich "meine" Gruppe gefunden. Das ist so in etwa mein Tempo. Einige Positionen vor mir erkenne ich Heiko vom LC Olympia. Oh oh, sein Laufstil sieht seeeehr locker aus, derweil ich schon jetzt zu kämpfen habe. Ein Blick auf meinen Pulsmesser drückt mir den Angstschweiß auf die Stirn: Puls 181 bei einem HFmax von 186 !! ALARM !! Das halte ich nicht lange durch ! Also heißt es: Tempo rausnehmen ! *seufz* und das jetzt schon, wo ich doch eh' schon zur letzten Laufgruppe gehöre. Okay, Top 100 sind schon nach 500 Metern abgehakt... Irgendwann finde ich mein Lauftempo, der Puls hat sich bei 170 eingependelt, und ich laufe meinem Vordermann stur hinterher. Ich hoffe, er kennt den Weg ?!
 
Eine endlose Zeit später taucht vor mir der Zielbereich mit der Wechselzone auf. Als ich mich der Wechselzone nähere, höre ich den Moderator, der meinen Namen in das Mikrofon plärrt: "und jetzt nähert sich die Nummer 109, Stefan Weinreich, von den...", kurzes Schweigen... "Maxim... was ist das ?!...Maximalpulsvermeidern... welcher Verein ist das ?!"... Mehr höre ich nicht mehr, da ich endlich mein Rad erblicke, es eher ungelenk aus der Halterung befreie, mir den Helm aufschmeisse (Radschuhe habe ich keine dabei, da auf den Klickpedalen Aufsätze für normale Schuhe montiert sind) und etwas kraftlos Richtung Radstrecke wackle.
Endlich auf dem Rad !
Endlich ausruhen !
Endlich erholen !
Endlich Plätze gutmachen !
Ich beschließe, erstmal den Puls auf unter 160 runterkommen zu lassen, und dann kräftig anzugreifen. In relativ kleinem Gang mit großer Drehzahl fahre ich über die Brücke. Das Rad rollt, ich bin einigermaßen zufrieden... noch...
Als ich dann von der asphaltierten Straße auf den Waldweg abbiege, merke ich bereits, welch gravierenden Nachteil die breiten Stollenschlappen haben: sie bremsen endlos !! Gang um Gang schalte ich runter, um wenigstens halbwegs komfortabel vorwärts zu kommen. Der Puls schnellt wieder in die Höhe und pendelt sich zwischen 170 und 175 ein. Oh man, das kann was werden ! Schon nach 1 KM auf der Radstrecke ist jegliche Euphorie verflogen, und die Hoffnung auf eine Aufholjagd ist schneller begraben, als sie geboren wurde. Die Strecke ist holprig, überall Wurzeln, die meistens unter dem Laub nicht zu erkennen sind. Dazu relativ enge Fahrstrecken, die durch die feuchte Witterung etwas aufgeweicht sind. Ständig habe ich Angst, in morastigen Stellen hängen zu bleiben oder wegzurutschen. So fahre ich äußerst vorsichtig um jede Kurve, wechsle selten die Fahrspur, lasse jeden vorbei, der nur ansatzweise schneller ist als ich (wer will schon gerne ein Bremsklotz sein ?!) Selbst bergab muss ich kräftig treten und der Puls findet keine Zeit, sich zu erholen. Nur ein kurzes Stück der Strecke ist asphaltiert, was ich zu einigen Überholmanövern nutze. Aber - das bringt nicht wirklich viel, da ich die gewonnenen Plätze bald wieder auf den Waldwegen verliere. Als dann endlich die Wechselzone vor mir auftaucht, sind schon längst alle Kräfte verbraucht. Mühsam stemme ich das Rad zurück in seine Halterung, denke noch daran, die Startnummer von hinten nach vorne zu drehen, und schleppe mich auf die Laufstrecke. So, was jetzt ?! Ich hatte mir vor dem Rennen als Taktik bereitgelegt, die ersten 1,5 KM der letzten Runde mitzulaufen, den Beinen Regenerationszeit zu gönnen, um dann auf den letzten 1000 Metern nochmal alles aus mir heraus zu holen und die konditionell überforderten Gegener in Grund und Boden zu Laufen. Nunja, soviel zur Theorie.
Die Praxis sieht so aus, daß ich nach ca. 100 Metern merke, wie ein Gewicht auf meinen Kopf drückt: der Helm ! Ich habe vergessen, ihn in der Wechselzone abzuziehen !
Als zweites bemerke ich, daß die Beine scheinbar einen Besuch in Dr. Oetkers Wackelpuddingfabrik hinter sich haben.
Und als drittes macht sich die Erkenntnis breit, daß ja noch fast 2,5 KM harter Arbeit vor mir liegen.
Okay, was nun ?!
Als erstes: Beine ignorieren und einfach laufen lassen.
Als zweites: den Helm abnehmen und einem Helfer am Streckenrand überreichen (die Startnummer war ja auf dem Helm, und der Helfer konnte es so dem Rad zuordnen).
Und als drittes: LAUFEN !!!
Drittes ist leichter gesagt als getan. Die Oberschenkel brennen bereits und wehren sich gegen jegliches Ignorieren. Dem Versuch, einer an mir vorbeieilenden Gruppe zu folgen schlägt fehl. Auch der Versuch, an einem vor mir liegendem Teilnehmer dran zu bleiben, scheitert schon im Ansatz. Und so laufe ich schließlich mutterseelen allein mit meinen Qualen, wabbeligen Oberschenkeln und dummen Gedanken durch einen fremden Wald. Auf den letzten 2 Kilometern wechseln sich schneller Gang und langsamer Lauf ständig ab, ständig beseelt von dem Gedanken, doch einfach in den Wald abzubiegen und der Scham eines letzten Platzes durch Flucht zu entgehen. Aber, ich muss den Transponder ja zurück bringen. Also nehme ich alle Kräfte zusammen, biege aus dem Wald auf die letzte Grade ein, nehme die aufmunternden Worte von Zuschauern entgegen und falle mehr als ich laufe durchs Ziel.
G E S C H A F F T !!
 
Im Ziel wartet Peter bereits auf mich, der schon sichtlich erholt ist und auch nicht allzu geschwitzt aussieht. Jetzt gilt es nur noch irgendwas flüssiges in sich aufzunehmen und ansonsten sich mental auf eine hintere Platzierung einzustellen. Immerhin: letzter bin ich trotz allem nicht geworden....

Fazit

Zuerst: ich habe meinen ersten Duathlon erfolgreich (mehr oder weniger) bestanden.
dann: die Organisation war super, alles hat gepasst und war ähnlich perfekt wie beim Neroman.
Was mich gestört hat war die Radstrecke. Sie war einfach zu unruhig, um eine gute Zeit zu fahren, zumindest für mich. Vielleicht hatte ich auch nur das falsche Rad und müsste für solche Strecken ein gefedertes Bike nehmen ?!
Ob ich wiederkomme ? Na klar ! Dieses schlechte Resultat kann ich nicht auf mir sitzen lassen und es Bedarf im nächsten Jahr dringend einer Korrektur !
Zum Abschluß möchte ich den Organisatoren nochmal einen Dank für die gute Arbeit aussprechen und auch dem Fotografen, der mir die Bilder kostenfrei für meine Homepage zur Verfügung gestellt hat :-)
 

 

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